12. Februar 2013

Dankbarkeit und Respekt gegenüber Nutztieren

Es hat knapp 25 Jahre gedauert

Am letzten Wochenende habe ich, so glaube ich, zum ersten Mal den Grundgedanken des christlichen Tischgebetes verstanden. Oder vielmehr, ich habe es schon immer irgendwie gewusst aber nie wirklich tief darüber nachgedacht.


Um das alles zu erläutern muss ich erst einmal einen größeren Bogen schlagen. Auf der Hochzeit des besten Freundes meiner Frau gab es ein ganz wunderbares Menü. Ein vegetarisches Menü. Das verrückte daran ist,
dass diese Hochzeit im September letzen Jahres in der Toskana stattfand, und dass dort die Essgewohnheiten an sich eher carnivorer Natur sind. Sogar die Bediensteten dort scherzten gegenüber unseren Mitessern ob es uns denn nicht nach einem Stückchen Fleisch gelüstete (jedenfalls wurde uns das so übersetzt, da weder meine Frau noch ich des italienischen mächtig sind).

Und so begannen wir, stetig und unter dem leichten Einfluss der vegetarischen Ehefrau des besten Freundes meiner Frau (in Zukunft werde ich mir was anderes als diese Spagehttisätze überlegen müssen, das ist schlechter Stil) umzudenken. Nachdem wir uns auch einige Dokumentationen wie z.B. Food Inc ansahen dachten wir dann auch darüber nach einen vegetarischen Lebensstil anzunehmen. Nun ja. Zumindest Fleisch im Speiseplan zu reduzieren. Oder so. Es dauerte dann bis vorletzte Woche, bis wir die mentale Stärke und genug schlechtes Gewissen aufstauen konnten, um dann letztendlich doch eher unbewusst eine Woche lang kein Fleisch zu essen. Das gipfelte dann letzten Samstag in Folgendem:

Ein Biohähnchen aus dem Umland, zubereitet nach Jamie Oliver's Rezept aus diesem Buch

Zurecht wird der geneigte Leser nun denken: "Was eine Heuchelei." Das Hähnchen war großartig.

Der Knackpunkt ist jedoch folgender:

ob der Tatsache, dass es die ganze Woche über kein Fleisch gab, konnte ich die Mahlzeit genießen. Und ich war dankbar dafür. Meiner Frau ging es genau so.

Das schlimme ist, dass heute Fleisch in solchen Massen produziert und verfügbar ist, dass diese Dankbarkeit, und auch der Respekt vor den Lebewesen die Massenweise produziert werden völlig verloren gegangen ist. Und auch ich habe das alles für viel zu selbstverständlich gehalten.

Meine Frau und ich haben aus dem allem folgendes gelernt:
wir werden niemals völlig auf Fleisch verzichten können, aber wir zollen dem Lebewesen Respekt, dass sein Leben ließ und uns mit seinem Fleisch nährt. Dafür danken wir, zu jeder Mahlzeit.


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